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Henni beantwortet (Weihnachts-)Briefe – Neuer roter Briefkasten steht im Schnöggel

Fotos: Julia Jünger Henni, die in der Iserlohner Südstadt lebt, hat sich für diese Adventzeit etwas Neues ausgedacht. Sie hat einen roten Briefkasten im Eingangsbereich vom Schnöggel aufgestellt. Dort können von Jung und Alte Briefe eingeworfen werden, die von Henni beantwortet werden. Unterstützt wird Henni von den Autor*innen des Iserlohner Schreibcafés. Also, nicht den Absender und die Adresse vergessen, damit die Antworten auch ankommen. Natürlich ist Henni auch per Mail zu erreichen: briefe@henniswortwelt.de. Henni-Express-Mail!

Silent reading – „werie seilent riding“ heute

„Na, das war heute aber werie seilenr riding!“, erklärte mir Henni beim Rausgehen. Sie hatte mit Duolingo angefangen Englisch zu lernen, weil ihre Eule Ella die etwas hektische grüne Eule so cool fand und konnte ein paar neue Vokabeln, die ich nicht immer sofort als Englisch erkannte. „Nun ja!“, erwiderte ich, „Du warst die letzten drei Stunden wohl eher weder silent noch very silent.“ „Wie meinst du das?“, fragte Henni und mir wurde wieder einmal klar, dass auch ich als ihre Erfinderin noch immer von ihr überrascht wurde. „Nun ja, deine Selbstgespräche waren nicht zu überhören, vor allen Dingen nicht, als du dich bei der Wahl des Belages für die Quarkbrötchen nicht entscheiden konntest.“

Ordnung ist das halbe Leben

„Wer hat das eigentlich gesagt?“, fragt Henni, „ich verbringe doch nicht mein halbes Leben mit Ordnung.“ Wer Henni kennt, weiß, dass sie ihre ganz eigene Vorstellung von Ordnung hat, in der sie schon alles irgendwann wiederfindet, aber eben irgendwann und meist auch nicht dann, wenn sie es braucht. Was sie immer wieder findet, sind ihre Gummistiefel, denn die „Ich weiß nicht, wo meine Sonnenbrille ist. Vermutlich hat sie den Umzug nicht mitgemacht!“, jammert Henni vor der offenen Schublade ihres Sekretärs.

Solche und solche Tage sind und bleiben Tage

„Es gibt solche Tage, die möchte ich einfach aussitzen, so tun, als gäbe es sie nicht oder wegradieren wie früher, wenn mir ein von mir gemaltes Bild nicht gefallen hat!“, sagt Ulla und schaut aus dem Fenster. Ihr Arzt hatte heute keine gute Nachricht für sie und Henni hatte sie begleitet. Das hat Ulla gut getan und Henni durfte auch ihre Hand halten. Das machte Henni sonst nicht, weil Ulla das nicht wollte, aber heute war eine haltende Hand gut. Und ein Spaghetti-Eis mit Kaffee danach war eine verdammt gute Idee, fand Henni. Henni folgt ihrem Blick, kann da aber nichts entdecken, außer dem Nachbarhaus, das da schon immer gestanden hat, seitdem sie hier wohnt. Das ist hier ja nicht so selbstverständlich, werden doch in dieser Straße auch immer mal wieder Häuser abgerissen, um dann daraus Parkplätze werden zu lassen … „Aber solche und solche Tage bleiben Tage!“, antwortet Henni. „Jeder davon ist einer deines Lebens!“ Die beiden Frauen schweigen und die Erzählerin übernimmt für den Moment:

Henni zieht hinter Glas ein paar Häuser weiter den Südengraben runter

Henni stand bis zu ihrem Diebstahl vor mehr als zwei Wochen und ihrer Rettung durch den kleinen, großen Linus vor dem Haus der Kleinen Leute. Ganz viele Menschen haben Anteil genommen und waren froh, als Henni wieder an ihrem Platz stand und im Südengraben alles nach links und rechts überblicken konnte. Geblieben ist ein ungutes Gefühl, ob sich das wiederholen könnte. Deshalb hatte ihre Erfinderin eine spontane Idee und so zieht Henni jetzt ein paar Häuser weiter die Straße runter, an die Treppe. Dann steht sie fortan geschützt hinter Glas. Das gefällt ihr. So ist sie auch nicht mehr Wind und Wetter ausgesetzt und hat es dort ein wenig wärmer und genießt mal eine ganz andere Perspektive. Wenn du sie gefunden hast, schick mir doch ein Foto!

Linus hat mich gefunden

Heute habe ich Linus kennengelernt. Der kleine, große Held, der mich gefunden, gerettet und mit seinen Eltern und seinem kleinen Bruder wieder zurück ins Haus der Kleinen Leute zu meiner Erfinderin Sabine gebracht hat. Sabine war heute etwas heiser, weil sie gestern, als sie davon hörte, dass Linus mich gefunden hätte, immer wieder gesagt hat „Henni ist wieder da!“.

Du …

Foto: Im Sommercamp des Casa B 2022 entstanden.  Du hast sie geklaut, die Henni-Figur, vor dem Haus der Kleinen Leute, die dort seit mehr als 1,5 Jahren steht und längst zum Straßenbild dazu und einfach ins Quartier gehört. Henni ist so bekannt wie ihre roten Gummistiefel mit weißen Punkten. Sie wird wiedererkannt, Kinder gehen an ihr vorbei und freuen sich, dass sie da ist. Sie ist ein Teil vom Südengraben. Sie gehört hierher.  Sie ist längst nicht mehr „nur“ meine Figur!