2024, Henni, Silent reading
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Silent reading – „werie seilent riding“ heute

„Na, das war heute aber werie seilenr riding!“, erklärte mir Henni beim Rausgehen. Sie hatte mit Duolingo angefangen Englisch zu lernen, weil ihre Eule Ella die etwas hektische grüne Eule so cool fand und konnte ein paar neue Vokabeln, die ich nicht immer sofort als Englisch erkannte.

„Nun ja!“, erwiderte ich, „Du warst die letzten drei Stunden wohl eher weder silent noch very silent.“

„Wie meinst du das?“, fragte Henni und mir wurde wieder einmal klar, dass auch ich als ihre Erfinderin noch immer von ihr überrascht wurde.

„Nun ja, deine Selbstgespräche waren nicht zu überhören, vor allen Dingen nicht, als du dich bei der Wahl des Belages für die Quarkbrötchen nicht entscheiden konntest.“
„Nicht jeder kann so vertieft und seilent fast lesen wie du!“. Ihr Ton wurde langsam schmollend, weil ich eine empfindliche Stelle getroffen hatte, ohne zu wissen, dass es die so noch gab. Auch wenn ich oft an sie dachte und üebr sie schrieb, hatte ich wohl wieder einmal zu wenig mir ihr geschrieben.

Ich wusste, dass es ihr das Lesen noch immer nicht leichtfiel, also hatte ich viele Bilderbücher und eins komplett ohne Sprache für sie mitgenommen. Aber Henni wäre nun mal nicht Henni, wenn sie nicht ihre ganz eigene Vorstellung von seilent riding hätte.

Sie holte tief Luft. „Wieso glaubst du ist heute keiner gekommen? Ist es denen auch zu seilent bei uns?“

Ich musste lachen. „Das glaube ich eher nicht. Es kann der Termin sein, zu wenig Werbung …“ Ich seufzte, weil mein Kopf schon während der drei Stunden, zwischen lesen und lesen, wieder angefangen hatte neue Strategien zu entwickeln, anstatt einmal selbst das-Leise-Lesen zu genießen.

Henni sah mich an. „Ich glaube, wir brauchen Menschen wie dich, die einmal nur das Buch und sich selbst mit anderen in Stille genießen möchten. Und Menschen wie mich, die es toll finden mittendrin ihre Selbstgespräche ganz seilent zu führen.“

„Wie recht du mal wieder hast!“, sagte ich anerkennend und verbeugte mich vor ihr. „Ich bedanke mich bei dir!“

„Na, jetzt übertreibst du aber mal wieder!“, sagte sie abwehrend und doch sah ich das Leuchten in ihren Augen, weil ihr die Wertschätzung so gut tat. Wie uns allen !

 

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