2024, Allgemein
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Die Sache mit der Packstation

Sie hatte ihre Kaffeekapselmaschine bereits vor zwei Wochen verkauft, weil sie da noch dachte, sie würde die neue Siebträgermaschine noch am selben Tag mit einem italienischen Espresso von lilly einweihen können.

Die Maschine widerfuhr aber ein ungeahntes Problem. Sie steckte in dem XL-Fach der Packstation 250 fest. Dieses ließ sich auch nach dem gefühlt tausendsten Mal nicht öffnen. Wiederholungen öffneten es nicht. Keiner der Anrufe bei DHL in den letzten zehn Tagen führte zu einer Veränderung der Situation.
Die Siebträgermaschine blieb fest hinter verschlossener Packfach-Tür, die niemand beim DHL-Kundenservice zu öffnen in der Lage war.

Sie rief wieder und wieder bei DHL an. Blieb anfangs sehr und dann immer weniger höflich. Entschuldigte sich anfangs noch, ließ es dann aber bleiben, weil auch ausgesprochene Höflichkeit nur zu den immer selben Fragen und nicht eingehaltenen Antworten führte.

Angeblich konnte eine Rücksprache mit einem Vorgesetzten wie aus Zauberhand das Fach öffnen, das sie selbst vor dem Anruf noch nicht hatte öffnen können. Ein Techniker sollte das Problem lösen, doch der kam nicht.

„Ja, natürlich, Sie können es jetzt öffnen!“, versprach der Mitarbeiter und sie ließ sich zwar seinen Namen geben, doch natürlich konnte sie ihre Espressomaschine nicht befreien.

Nicht nach dem ersten, nicht nach dem zweiten, nicht nach dem dritten, nicht nach dem vierten, nicht nach dem fünften und auch nicht nach dem heutigen sechsten und bisher letzten Telefonat konnte sie die Maschine in ihren Armen halten.
heute kam die nächste und vorerst letzte Version. Nicht ein Techniker, sondern ein DHL-Zusteller sollte die Lösung sein und das Fach öffnen und seinen Inhalt in die nächste DHL-Filiale bringen.

So stellte sie eine blaue Ente auf die Packstation. Sie fuhr jetzt außerdem jeden Abend an der Packstation 250 vorbei und erzählte der Espressomaschine und natürlich der Ente eine Gute-Nacht-Hoffnung-Geschichte, damit sie weiter mit ihr daran glauben konnte, dass sie eines Tages dieses dunkle, enge und muffige Gefängnis verlassen konnte.

Auch die anderen Dinge in den benachbarten Fächern hörten jeden Abend gerne zu. Da ihre jeweiligen Postfächer alle intakt waren, waren sie meist schnell wieder weg und so wechselte der Inhalt der anderen Fächer regelmäßig und unsere Espressomaschine hatte so etwas Abwechslung.

Sie würde morgen wieder hinfahren, einen leckeren Latte Macchiato von Mr. Morgen mitnehmen und sich mit der Ente auf die Packstation zu setzen.

Vielleicht würde das die Postfach-Befreiung der Espressomaschine etwas beschleunigen !

2 Kommentare

  1. Andrea sagt

    Was für eine wunderbare Geschichte 🙂
    …auch wenn die Sache an sich unglaublich, verzweifelnd und zum kotzen ist.

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