2024, Aufbruch
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Alles neu macht der Mai

Als sie sich im fast leergeräumten Obergeschoss umschaute, war sie nicht wirklich überrascht, wie gut ihr die ausgeräumte Leere tat. Sie atmete tief durch und genoss diesen Moment mit dem ersten Kaffee des Tages …

In den letzten Tagen und Wochen, seit ihrer völlig ungeplanten Entscheidung umzuziehen, hatte sie neben ihrem Job nichts anderes getan als geplant, ausgemistet und ausgeräumt, weggeräumt und Kleinmöbel und Kisten weggefahren. Und sie war noch immer nicht ganz fertig. Das eigene Leben wieder in Kisten verpackt.
Gleichzeitig musste sie schmunzeln, wie viele Dinge, die ihr am Herzen lagen, in diesen Raum hineingepasst und ihn so besonders gemacht hatten. Zu einem Ort, in dem sie so vielen Menschen begegnet war, die einfach auf einen Kaffee oder nur so vorbeigekommen waren oder die ihr ihre Geschichte erzählt hatten.

Mittendrin zu sein, mit den Menschen, das war für sie genau das, was sie sich für dieses Häuschen vorgestellt hatte.

Und nicht nur diesen Raum hatte sie gefüllt, das ganze Haus und noch mehr die Straße, den Südengraben, mit den Menschen in ihrer direkten Nachbarschaft, die da waren. Zehn Jahre wohnte sie hier und es lag ihr viel an diesem Quartier, in dem Henni zuhause war und auch bleiben würde, weil sie hierhergehörte.

So würde sie auf dem Nachhauseweg von der Arbeit natürlich immer durch die Straße gehen, weil das der einzig denkbare Weg war …

Für sie wurde es trotzdem Zeit einen Schritt weiterzugehen, denn nicht immer passen scheinbar ähnliche Konzepte zusammen. Es wurde ihr irgendwann zu eng, zu viele unausgesprochene Vorgaben, weil zwar noch viele Geschichten des Hauses mit den Menschen in den Raum hineinsollten, aber ihre eigene Geschichte darin keinen Platz mehr fand.

Es war Zeit zu gehen und den neuen, leeren Platz wirken zu lassen.

 

 

 

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