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Henni und der peinlichste und schönste Kuss

Heute schon wieder eine Audio-Datei von Henni, weil wir ja heute alle nicht in den Mai hineintanzen können.

 

„Wir haben den Uwe ja echt gerne geküsst, aber sein erster Kuss war voll peinlich“, sagte Henni kichernd. Sie saß mit Ulla am späten Abend vor dem Ersten Mai bei einem Eierlikörchen in der Küche, als sie das erzählte. Vermutlich hätte sie diesen Satz nicht laut ausgesprochen, wenn das dritte Glas des selbstgemachten Eierlikör von Ulla nicht ihre Zunge etwas gelöst hätte.

„Echt?“, fragte Ulla neugierig. „Erzähl doch mal!“.

Henni überlegte kurz, ob sie das erzählen sollte, denn auch wenn der Uwe längst tot war das ja immer noch peinlich für ihn.

„Rede niemals schlecht über die Toten, sonst erscheinen sie dir nachts in deinen schlimmsten Alpträumen!“, hatte ihre Oma immer gedroht und Henni wusste nicht, ob sie sich vielleicht sogar freuen würde, wenn der Uwe plötzlich nachts vor ihrem Bett stehen würde. Nun, wenn er sauer war, wegen dem, was sie gerade Ulla erzählte hatte, wäre das wohl kein so toller Besuch.

„Na ja, der Uwe und ich, wir saßen ja schon länger so zusammen auf der Bank und auch enger zusammen, bis eben nicht mal mehr eine Stück Zeitung zwischen uns gepasst hätte und da war dann immer so ein Kribbeln im Bauch, wenn ich zu ihm rüber und schnell wieder wegschaute, weil ich ihn gerne küssen wollte. Aber meistens roch er nach Bier und da war das Kribbeln schnell wieder weg, das fanden wir etwas eklig.“
Ulla nickte stumm, trank ihr halbvolles Glas aus und wollte Henni nachschenken.

„Stopp, wir müssen noch nach Hause!“, wehrte Henni ab.

„Das ist dich nur über die Straße!“, lachte Ulla.

„Manchmal ist über die Straße gehen, wie eine Wanderung ohne Kompass in einer sich ständig drehenden Welt.“, hatte Uwe immer gesagt und deshalb war Henni sehr vorsichtig geworden.

Henni dachte an den Moment zurück, als alles gleichzeitig passiert war. Der feuchte Kuss, der nach Uwe roch und nach Bier schmeckte und das Kribbeln, das mit Uwe ins Taumeln geriet und ihn fast von der Bank stürzen ließ.

„Ey Uwe, du alter Casanova, Küssen immer vor dem dritten Bier, sonst sind die Damen mächtig enttäuscht!“, grölte Peter von der nächsten Bank zu ihnen herüber.

Henni schaute Uwe nicht an, spürte aber wie er neben ihr zusammenzuckte. Worte können so etwas, das wusste Henni von ihrer Oma. Henni, der nach Aufspringen und Weglaufen war, blieb da sitzen in ihrem Kribbeln und der Peinlichkeit des Moments, der nicht mehr zu retten war. Das war das Beste, was sie tun konnte, denn Uwe nahm zitternd ihre Hand und küsste sie. „Danke!“, flüsterte er und Henni bekam den ersten Handkuss ihres Lebens.

Der verscheuchte auf einen Kuss alle Peinlichkeit und dumme Grölerei dieser Welt!

Ulla klatschte in die Hände.

„Mensch Henni, der Uwe, der war ein echter *Gentlemann*!“

Henni nickte. „Wir haben einen echten *Gentlemann* geküsst, jawoll!“

 

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