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Henni hat jetzt ein eigenes Graffiti

Entwurf: Tanja Graumann

„Wir haben ein eigenes Graffiti. Das allererste Mal in unserem Leben!“, jubelt Henni und kann sich einfach nicht sattsehen an ihrem riesigen Bücher-Regal. Da der coole Fisch, der die Bücher beleuchtet, der die Bücher zeigt und Narnia. Durch die Tür, zack und weg …
Henni steht davor und schaut und schaut und steht und schaut und steht und schaut.
„Wenn du ein richtig gutes Buch aufschlägst und du einfach nicht anders kannst, als weiterlesen und weiterlesen und weiterlesen, dann ist es ein gutes Buch für dich. Wenn es das nicht schafft, ist es noch nicht das Richtige!“ 
Das hatte ihre Mutter früher immer zu Henni gesagt und nie aufgehört daran zu glauben, dass auch Henni das erleben würde.

[ …] Dann stapelte Henni ihre Bücher auf dem Nachttisch und fühlte sich besser, nachdem sie jedes einzelne in die Hand genommen hatte: Momo. Das hatte sie aus der Bücherei geklaut, weil ihr die Bilder so gut gefallen hatten. Harry Potter und der Feuerkelch. Das hatte ihr ihre Mutter letztes Jahr zum zehnten Geburtstag geschenkt. 

Ihre Mutter hatte ihr jeden Abend vorgelesen. Henni hatte es nicht so mit dem selber Lesen und Schreiben. Bei ihr tanzten die Buchstaben auf den Zeilen immer durcheinander und Wörter, sie zu kennen glaubte, veränderten sich und sie wusste nicht mehr, was da vorher für ein Wort gestanden hatte. Als sie längst selber hätte lesen können, haben sie die Rollen getauscht und ihre Mutter durfte sich eine Geschichte aussuchen und Henni las ihr die vor, so gut sie konnte. Und weil die Buchstaben der Wörter auch hier tanzten, nicht so schlimm wie in der Schule, erfand sie einfach die Wörter, die sie nicht mehr lesen konnte. Ihrer Mutter gefielen ihre Ideen.

„Na, das habe ich ja noch gar nicht gewusst, dass auch Momo bei Harry Potter unter der Treppe in der Besenkammer wohnt oder, echt, Rico hat Momo auf dem Dach der Dieffe getroffen. Aber, mein kleiner Schatz, es gefällt mir so noch viel besser!“. Ihre Mutter hatte dann immer ganz überrascht geschaut und gelacht, sie fest in den Arm genommen und auf die Stirn geküsst. Hennis Note in Lesen verbesserten sich, als Frau Hansen Hennis neue Klassenlehrerin wurde, denn die nahm, zum Erstaunen der ganzen Klasse, Hennis Ausflüge in die Phantasie zum Anlass mit allen Geschichten, die alle kannten, auf eine ganz neue Weise umzuschreiben.

„Es gibt ein Wort für das, was in deinem Kopf die Buchstaben tanzen lässt, aber genau das führt dich auch im Erzählen zu ganz neuen Geschichten, die bis dahin noch nie jemand gehört hat!“ Henni wusste, dass sie mit dem Wort „Lese- und Rechtschreibschwäche“ meinte. Sie hatte gehört, wie Frau Hansen das zu ihrer Mutter sagte und die Birthe nannte das einfach plemplem im Kopf. Henni gefiel das Wort, aber nicht, wie Birthe das aussprach, also warf sie einen nassen Schwamm nach ihr und traf sie voll ins Gesicht. Henni musste zum Direktor und Birthe nicht, aber Birthe sagte das Wort auch nie wieder, dafür hatte Frau Hansen gesorgt. Birthe musste es hundertmal abschreiben und dann in der Klasse zerreißen. Seitdem lasen ihre Mutter und sie noch viel mehr. Das taten sie oft, viel öfter als Fernsehen schauen, obwohl Henni das schon auch mal ganz gerne tun wollte, weil die anderen aus ihrer Klasse das ja auch taten. Als „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ als Film ins Kino kam, konnte sie ihre Mutter überreden, mit ihr zu gehen und sie hatten mit Popcorn und Cola einen tollen Abend.
Rico, Oskar und das Mistverständnis. Das hatte ihr ihre Klassenlehrerin Frau Hansen dann geschenkt, als sie ihre Klasse verlassen musste, weil sie zu der Doof-Oma ziehen musste. […]

Henni seufzte. Ihrer Mutter hätte das gefallen. Sie klappte die zwei Klappstühle auf, stellte den kleinen, wackligen Klapptisch dazwischen und legte eine rote Decke mit weißen Punkten auf den Tisch. Sie deckte den Tisch mit zwei Tellern, Kuchengabeln und zwei großen Tassen.

Henni wartete auf Ulla und auf Kaffee und leckeren Kuchen. Sie wollten hier zusammen Kaffee trinken. Und ihr könnt HIER (Link zu You Tube!) sehen, was Henni gerade von ihrer Kaffeetafel aus sieht.

2 Kommentare

    • Sabine sagt

      Hallo Sonja!
      Schräg? Nein!
      Unser Graffiti ist genial schön, einzigartig, besonders und eben ganz Henni-like!
      Viele Grüße
      Sabine

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