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Henni und die Sache mit den Regenbogenfarben

„Ach, Ulla, wir kennen uns echt nicht mehr aus!“, sagte Henni und setzte sich mit einem tiefen Seufzer an den Küchentisch, auf dem schon eine dampfende Tasse Kaffee auf sie wartete. Den Streuselkuchen von ihrem Lieblingsbäcker hatte sie für beide Frauen mitgebracht.

„Was meinst du?“, fragte Ulla und teilte den Streifen Streuselkuchen in kleine Stücke auf.
„Na, die Sache mit den Farben und, dass das der Neuer zwar heute Abend eine bunte Armbinde tragen, aber das Stadion in München nicht auch so in Regenbogenfarben leuchten darf. Das soll mal eine verstehen!“

„Na ja, das eine ist Politik, das ist wegen Ungarn und, weil da Bunt verboten ist und das andere ist Fußball!“, erklärte Ulla, die das heute im Fernsehen gesehen hatte. Da hatte das einer so schlau im Anzug daher gesagt.

„Aber Menschen sind wir doch alle, oder?“, fragte Henni, „So etwas dürfte einfach keine Frage mehr sein, ob ein Fußballstadion leuchten darf. Wir leuchten doch alle in unseren Farben, ob wir Fußball gucken oder spielen, ob wir wählen oder gewählt werden und ob wir bunt oder nicht bunt lieben.“

„Glaubst du das wirklich?“, fragte Ulla, die immer ein wenig Angst gehabt hatte, dass ihr Sohn mal mit einem Mann nach Hause kommen würde, wie der Andreas von den Krauses in der Nachbarstraße. Seitdem sie Henni kannte, dachte sie anders und toleranter. Sie war stolz, dass sie das Wort jetzt kannte. Henni hatte ihr gezeigt, dass es auf der Welt so viel mehr als eine Sichtweise und immer eine Geschichte dahinter gab. Heute würde sie sich über einen Besuch ihres Sohnes einfach nur freuen. Doch der kam nicht einmal mehr alleine zu ihr.

„Natürlich glaube ich das!“, bekräftigte Henni. „Nicht alle mögen Gummistiefel so gerne wie ich, aber ich trage sie trotzdem, weil ich sie mag. Und ich leuchte dann in meinen Farben, in Rot mit weißen Punkten und lasse die, mit den verbohrten Ansichten einfach ohne Farbe stehen. Solltest du auch tun!“

„Wir sollten heute anstatt einer Deutschlandfahne viel lieber eine Regenbogenfahne aufhängen! Hast du noch ein altes Laken? Wir bemalen es selber!“ Ulla war auf einmal Feuer und Flamme und nicht mehr zu bremsen.

Henni lachte. „Und wir sollte jeden Tag in unseren Farben leuchten!“

 

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