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Wenn alles schief geht, ist endlich alles gerade gerückt

„Wir sind heute aber auch total dusselig durcheinander geschüttelt wie eine Tüte Haribo, da sind die Gummibeeren auch immer unten!“ Henni schimpfte vor sich hin. Erst war die Tüte von Kaufland gerissen. R-A-T-S-C-H machte es und da kullerten auch schon die Joghurts, die Äpfel, das Toastbrot, die Tüte Haribo und die kleine Leberwurst heraus.

„Sei mal nicht gleich beleidigt!“, rief Henni der Leberwurst hinterher und kroch unter die Sitzbank neben dem Kaffeeautomaten, denn natürlich war die kleine Leberwurst bin nach ganz hinten gerollt.
Und natürlich wollte Henni eigentlich gar keine Tüte kaufen, wegen des Plastikmülls und Greta und der Wale und der Meere und der Fische, aber sie hatte ihren selbst bemalten Stoffbeutel vergessen und dann waren im Laden viel zu viele Leute gewesen und alle wollten an genau die Regale, an die sie auch wollte.

Henni stopfte alles wieder zurück in die Tüte und nahm die dann auf den linken Arm und hielt mit dem rechten die Tüte oben fest.

„Na, geht doch. Alles wieder gerade gerückt!“

„Sie haben da noch etwas vergessen!“, sagte eine Stimme hinter ihr. Ein kleiner Junge mit halb angezogener Jacke und einem ebenso schief sitzenden roten Tornister auf dem Rücken stand da vor ihr und hielt die Tüte Haribo hoch.

„Ehrlich, wie konnten wir denn das Beste an diesem Einkauf vergessen!“, lachte Henni.

„Haribos sind lecker!“, sagte der Junge. Er trug Turnschuhe und die Schnürbänder waren irgendwie seltsam verknotet.

„Welche magst du denn am liebsten?“, fragte Henni.

„Na, die bunten, viereckigen Lakritze und davon am allerliebsten die hellbraunen!“ Seine Augen leuchteten beim Erzählen.

„Und, hast du in der Tüte schon welche entdeckt?“, fragte Henni.

„Die Tüte ist doch zu und die gehört doch Ihnen!“, sagte der Junge entrüstet.

„Ja, wir meinten ja auch von außen. Kannst du die sehen?“, fragte Henni noch einmal, weil sie eine Idee hatte.

„Da!“ Der Junge zeigte auf einen hellbraunen Lakritz.

Henni stellte die kaputte Tüte auf die Bank und setzte sich daneben. „Na, dann mach die Tüte mal auf. Du bekommst natürlich Finderlohn. Stell dir mal vor, ich hätte erst zuhause an die Tüte gedacht.“

„Ehrlich?“, fragte der Junge ungläubig.

„Ehrlich bist du!“, entgegnete Henni, „Wir können uns super eine Tüte mit dir teilen, denn wir mögen die Gummibeeren lieber!“

Der Junge setzt sich zu Henni. öffnete geschickt die Tüte und hielt sie ihr hin.

Henni schaute hinein. „Schau mal, weil die Tüte heruntergefallen ist, liegen heute die Gummibeeren ganz oben“ Sie griff beherzt hinein. „So, jetzt du!“  der Junge war erst noch etwas schüchtern, aber als Henni auch das zweite Mal in die Tüte griff, tat er es ihr nach und strahlte sie kauend an.

„Was für ein toller Montag!“, sagte er.

„Ja manchmal müssen wir einem Tag eine zweite Chance geben, damit er noch besser werden kann, bevor der Nächste kommt!“

Und so saßen die beiden da auf der Bank und teilten sich die Tüte Haribo.

„Wir sind übrigens Henni!“, sagte Henni.

„Ich bin Holger!“, sagte Holger.

 

4 Kommentare

  1. Annemarie+Winckler sagt

    Liebe Henni,
    schon wieder ich, aber ich muss Dir einfach sagen, dass ich die weißen Gummibärchen am allerliebsten mag. Ich finde es ganz toll, dass Du Deine Haribotüte mit Holger geteilt hast. Ich würde Dich auch mal gern treffen, ob mit oder ohne Haribotüte…
    Liebe Grüße
    Anne

    • Sabine sagt

      Liebe Anne,
      Sabine und du, ihr könnte euch keine Tüte teilen, denn dann müsstest ihr euch beiden die weißen Bärchen teilen, aber ich teile gerne mit dir,denn die weißen mag ich nicht so gerne,
      liebe Grüße,
      Henni

  2. Und so hat alles einen tieferen Sinn – auch die gerissene Einkaufstüte. Ohne sie keine Begegnung mit Holger, kein gemeinsames Gummibärchen-Vernaschen und auch keine so schöne, herzige Geschichte. 😊
    Viele liebe Grüße
    Rosa

    • Sabine sagt

      Liebe Rosa,
      schön, dass du hier vorbeischaust! Ja, so ist Leben eben! 🙂
      Liebe Grüße,
      Sabine

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