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Henni, ihr Lieblingsfenster und der Drache im Wald

Henni schaute mit gerunzelter Stirn auf ihr frisch geputztes Fenster. Es war ihr Lieblingsfenster. Von hier aus konnte sie, wenn sie auf dem Sofa im Wohnzimmer neben ihrem roten Herz-Lieblingskissen saß, den Teil des gegenüberliegenden Waldes sehen, der wie ein fliegender Drache aussah. Sie wollte die beiden Flügelrahmen so weit wie möglich öffnen. Nicht nur öffnen, sondern das Fenster sollte so geöffnet bleiben. Leider hatten die Flügelrahmen die Angewohnheit immer wieder langsam zuzugehen.

Das mit den einzelnen Teilen des Fensters, den Flügel- und Blendrahmen hatte ihr Uwe mal erklärt, der eine Zeitlang bei einem Fensterbauer gearbeitet hatte. Und von ihm hatte sie auch das Bildlexikon, in dem das alles gut beschrieben war.
Henni hatte sich schon vieles ausgedacht, wie sie das Wieder-Verschließen des Fensters verhindern konnte, damit der Drache aus dem Wald immer vollständig sichtbar blieb, egal, wann sie vom Sofa aufschaute. Einmal war sogar das Bild-Lexikon, das super zwischen Flügel- und Blendrahmen passte, durch einen Windstoß aus dem Fenster, drei Etagen tiefer auf die Straße gefallen.

„Zum Glück haben wir auf der Straße niemanden mit Uwes Lexikon erschlagen!“, hatte Henni Ulla danach noch immer sehr erschrocken erzählt.

Ulla hatte laut gelacht. „Stell dir mal vor, es wäre der Mecker-Elke auf den Kopf gefallen. Die hätte noch mehr gemeckert. Meine Frisur, meine Frisur!“

Jetzt musste Henni lachen. „Oder auf den gelben DHL-Wagen, dann wäre es verschickt worden!“

Und dann hatte Ulla eine Idee, damit das Bild-Lexikon nicht wieder auf die Straße fallen musste.

Zwei Tage später legte Ulla Henni zwei kleine Pakete neben ihre Kaffeetasse.

„Aber wir haben doch gar keinen Geburtstag!“, sagte Henni.

„Für manche Geschenke braucht man keinen Geburtstag, die können jeden Tag verschenkt werden!“, erklärte Ulla. „Na los, pack aus!“ Ulla war selbst ganz aufgeregt.

Henni jetzt auch. Sie packte das erste Paket ganz behutsam aus, möglichst so, dass das Papier heil blieb. Und dann lag da ein seltsames blaues Teil vor ihr, das aussah wie die Sprechblasen in Comics.

Henni drehte es in ihren Fingern herum. Es war außen ganz weich. Dann schaute sie Ulla an. „Wir freuen uns, aber wir wissen nicht, was das ist!“

„Na, dann komm mal mit ans Fenster. Bring Stoppi mit!“

„Wen sollen wir mitbringen?“ Henni kannte sich jetzt gar nicht mehr aus. Wer war Stoppi?

Ulla öffnete das Fenster in der Küche, nahm Henni die blaue Comic-Sprechblase aus der Hand, sagte: „Darf ich vorstellen, Stoppi!“ und legte Stoppi so zwischen Rahmen- und Blendflügel, dass es sich nicht mehr schließen konnte. Ulla strahlte sie an. „Die habe ich im Schopping-Kanal gesehen!“, erzählte sie weiter.

„S-T-O-P-P-I.“ Henni sprach jeden einzelnen Buchstaben von Stoppi ganz sorgsam aus. „Wow, wir können unseren Drachen jetzt immer ganz sehen. Danke Ulla!“, sagte Henni und drückte die Hand der Freundin ganz fest.

 

4 Kommentare

  1. Liebe Ursula,
    es ist schön sich darauf verlassen zu können, wenn ein neuer Henni-Beitrag online geht, das ich am nächsten Morgen ein Kommentar von dir auf dem Blog finde.
    Danke dafür,
    Sabine

    • Sabine sagt

      Guten Morgen Sonja,
      ja,, das finde ich auch, Henni gehört längst dazu … Ohne Henni geht es nicht …
      Liebe Grüße,
      Sabine.

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