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Henni hat ein rosa „Descha-Wü“

Hier könnt ihr den Text entspannt anhören, … gaaaaanz bis zum Ende.

Henni kommt vom Einkaufen zurück. In ihrer gelben Plastiktasche mit weißen Punkten ist nicht viel drin. Wenigstens konnte sie beim Bäcker noch drei leckere Stücke von der Zitronenrolle bekommen.

„Wenn drei Stücke im Angebot sind, können wir eins und noch ein Halbes essen!“, strahlt Henni, als sie an der Wohnungstür von Ulla klingelt und die ihr öffnet. Ulla isst doch Zitronenrolle so gerne und deshalb bringt sie die für sie beide zum Kaffee mit.

Ulla ist nicht alleine.
Der Paul ist wieder da. Das erklärt die rosigen Wangen von Ulla und die Flasche Sekt auf dem Tisch.

„Wir haben Zitronenrolle mitgebracht, aber das dritte Stück teilen wir uns nicht mir dir, das ist für Ulla und mich!“ sagt Henni und will gar nicht so reden, aber sie redet so Rosa. Rosa mag sie fast genauso wenig wie pink. Pink macht Angst und Rosa macht eifersüchtig, weil Paul da so selbstverständlich auf ihrem Stuhl sitzt, auf dem sie sonst immer ihren Kaffee trinkt.

„Henni, komm, ich stelle einen Stuhl zu mir, Kaffee ist schon fertig und dann noch drei Teller für die Zitronenrolle!“, sagt Ulla und übergeht ihren Kommentar einfach.
DREI Teller, Henni ist nur innendrin wütend rosa, das sieht Ulla nicht, aber Henni hat keinen Hunger mehr. Paul ist schlau genug, nichts zu sagen und lächelt nur. Seine Augen glänzen. Die Flasche Sekt ist schon ziemlich leer.

„Wenn er so ein Kavalier wie der Uwe wäre, dann wäre er jetzt aufgestanden und hätte uns Platz angeboten!“ Das denkt nur Henni nur, denn sie sieht wie glücklich Ulla mit dem Sektfuzzi ist. So hat Henni ihn heimlich genannt, weil er so gerne Sekt trinkt.

„Hast du an das Klopapier gedacht?“, fragt Ulla und schaut auf die halbleere Tasche von Henni.

„Wir haben keins bekommen!“, sagt Henni zwischen einem Schluck Kaffee und einem großen Stück Zitronenrolle. Rosa hin oder her, da kann die Zitronenrolle ja schließlich nichts dafür. „Die ganzen Regalen waren wieder leer beim Drogeriemarkt. Das fand ich ganz schön unheimlich.“

„Du hattest ein „Descha-Wü“!“, sagt Ulla mit so einer rosagefärbten Wichtig-Stimme und lächelt dabei den Paul so komisch an und der lächelt so blöd zurück.

„Ein „Descha-Was?“ Henni verschluckt sich fast an dem Wort und dem Stück Zitronenrolle..

„Paul hat gesagt, dass was wir gerade erleben, ist wie ein „Descha-Wü“, das ist Französisch, das lernt er bei der VHS!“
Henni fragt sich, warum sie so von ihm spricht, weil er doch da neben ihnen sitzt und selbst den Mund aufmachen könnte. Macht er aber nicht, er trinkt lieber noch ein Gläschen.

„Und, was ist das jetzt?“, fragt Henni weiter.

„Na, wenn du alles noch einmal erlebst, was du schon einmal erlebt hast.“, erklärt Ulla.

„Also, eine Wiederholung wie der Tatort gestern!“, ruft Henni. Den kannte sie nämlich schon und war ziemlich froh, dass sie sich behalten hatte, wer der Mörder gewesen war.

„Nee, wenn du glaubst, dasselbe schon einmal erlebt zu haben!“, mischt sich jetzt doch Paul ein und seine Stimme kann die Worte nicht mehr so deutlich aussprechen.

„So, wie ihr beide hier, ihr sitzt mit dem Sekt wie das letzte Mal zusammen, das ist wohl auch ein Descha-Wü, kapiert!“, lacht Henni und steht auf. „Danke für den Kaffee, wir müssen jetzt malen.“

„Auch bei der VHS?“, fragt Paul.

„Nö, bei mir auf dem Küchentisch und online bei Summ!“ Henni merkt, dass sie jetzt ein wenig auf die Kacke haut, wie ihre Oma das immer genannt hat, wenn Henni mal von ihren Malversuchen erzählt hat. Doch das klang nie lieb, das war immer Pink. Der auf-die-Kacke-Hau-Satz jetzt eher Blau und Ulla ist viel zu Paulverliebt um überhaupt eine Farbe zu haben.

Henni packt zuhause das Brot, die Leberwurst, die Äpfel und die Nudeln aus und in den Kühlschrank.

„Jetzt malen wir uns das Rosa mit unserer Lieblingsfarbe Grün aus dem Kopf!“, lachte sie, stellt das alte Radio lauter, singt lauthals mit Max Giesinger „…da wo die Straßen endlos sind …“„ und beginnt mit dem grünen Stift Klopapierrollen zu malen. „So, jetzt haben wir auch Klopapier. Wir brauchen heute kein Descha-Wü!“

 

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