„Ich will das alles mit der Wahl nicht auch noch beim Kaffee mit dir hören. Das macht mir Angst!“, sagte Ulla und ihre Ansage war eindeutig.
Henni hatte nur ganz kurz von den „Omas gegen rechts“ erzählt, mit denen sie heute Vormittag durch die Innenstadt von Iserlohn zu einer Demo für demokratische Wahlen mitgelaufen war.
„Ich weiß nicht einmal mehr, wenn ich wählen soll!“, schimpfte Ulla. Henni dachte nur, wie schon so oft in den letzten Wochen, dass anscheinend Schimpfen gegen Angst half. Ulla kam aus einer sehr konservativen Familie, die schon immer die CDU gewählt hatten. Das war einfach so. Ihre Eltern und ihre Großeltern hatten das getan. Ulla hatte das nie in Frage gestellt, nicht einmal bei Merkel.
„Wieso gehst du eigentlich bei den Omas mit. Du bist noch nicht einmal eine Oma!“, schimpfte Ulla weiter und merkte leider erst beim Aussprechen der Worte, dass sie das besser nicht gesagt hätte … Doch Worte, die einmal gesagt sind, können schwer wieder zurückgenommen werden.
Henni schaute sie nur an, atmete tief aus und wieder ein und sagte nichts. Sie trank mit zitternden Händen einen Schluck Kaffee.
„Ich denke, ich gehe besser. Danke für den Kaffee!“ Henn hatte keine Kinder und würde demnach nie Oma sein. Darum ging es auch bei den „Omas gegen rechts“ nicht, aber Ulla hatte aus Angst wie ein verängstigter kleine Pudel zugebissen. Das machte sie zum ersten Mal, seitdem sie sich kannten und es veränderte etwas.
Henni schloss die Wohnungstür leise hinter sich zu.
