„Ich bin Godot!“, begrüßt er sie, als sie sich wie jeden Morgen zu ihm auf die blaue Bank setzt.
„Ich weiß“, antwortet Theo und schaut ihn an. „Ich bin Theo!“, sagt sie noch.
„Ich weiß!“, sagt Godot und schaut wieder unverwandt zum Horizont.
„Ich habe Kaffee dabei!“ Sie stellt seinen grünen Kaffeebecher neben ihm ab, trinkt selbst einen Schluck aus ihrem orangefarbenen Becher, folgt seinem Blick und kann, wie auch die letzten Male einfach nichts erkennen.
„Es wird passieren!“, sagt er.
Sie nickt, doch das sieht er nicht, weil sein Blick unverwandt auf den Horizont ausgerichtet ist. Er wendet den Blick nicht eine Sekunde vom Horizont, als er nach seinem Kaffeebecher greift, den sie ihm jeden Morgen bringt, bevor sie selbst zur Arbeit geht. Abends nimmt sie den Kaffeebecher wieder von der leeren Bank mit, wenn er nach Sonnenuntergang gegangen ist.
„Danke“, sagt er wie jedes Mal.
„Und das, was passiert, das kommt von da?“, fragt sie und weiß selbst, dass das eine rhetorische Frage ist.
„Natürlich, würde ich sonst noch hier sitzen?“ Er sitzt schon immer hier, solange sich Theo erinnern kann. Jeden Tag sitzt er hier und schaut auf seinen Horizont, der wohl irgendwo hinter den Eisenbahnschienen liegt.
„Und wenn die Bank woanders hingestellt würde?“, setzt sie nach und fragt sich selbst, woher diese Frage kommt.
„Dann kommt eine andere, aber der Horizont bleibt und da wird es passieren.“
Theo trinkt noch einen Schluck Kaffee. Godot-Logik. Jeden Morgen, seitdem sie ihre Umzugsfirma hier bezogen hat und noch viel länger, denn vorher hatte ihre Oma hier gelebt.
„Wofür würdest du dich jeden Morgen auf eine Bank setzten und warten?“, fragt er bei seinem letzten Schluck Kaffee, als die Sonne am Horizont aufgeht.
Warten. Sie wartet schon ihr ganzes Leben lang. Nur weiß sie im Gegensatz zu Godot noch nicht einmal auf was.
„Komm morgen wieder, vielleicht weißt du es dann.“
Sie nickt, steht auf und nimmt die Frage mit in ihren Tag. Wie jeden Tag
