2024, Henni
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Henni und die Stelle als Leuchtturmwärterin

„Ulla, kannst du mal meine Bewerbung lesen, ob ich die so abschicken kann?“ Henni kam aufgeregt die Treppe heraufgerannt. Sie hielt Ulla ein etwas zerknittertes Blatt Papier vor die Nase. „Wir haben schon mal was geschrieben!“

„Du willst dich bewerben? Wofür denn?“, fragte Ulla und nahm ihr zu Sicherheit mal das Blatt Papier ab, weil Henni sich nicht von der Stelle bewegte. „So, jetzt komm bitte erst einmal rein.“

Henni kam herein, schloss die Wohnungstür und ging dann ins Wohnzimmer, wo Ulla schon den Kaffeetisch gedeckt hatte. Henni ließ sich auf den Sessel fallen und holte erst einmal tief Luft.

„Du willst dich als Leuchtturmwärterin auf der Insel Wangerooge bewerben?“, fragte Ulla und musste lachen. „Ernsthaft?“ Sie las die Bewerbung noch einmal durch.

Bewerbung für ihren Leuchtturm

Wir waren schon mal auf ihrer Insel und finden es toll da.

Wir mögen es, wenn das Meer vor der Tür ist und wir haben keine Höhenangst.

Wir können super Treppen steigen und Gummistiefel und den Ostfriesennerz haben wir auch schon.

Rasenmähen haben wir lange nicht mehr gemacht, aber wir lernen schnell.

Mit Leuten reden, können wir auch gut, sagt meine Freundin Ulla immer.

Wir würden uns sehr freuen, wenn das klappen würde.

Wir bräuchten dann natürlich eine Wohnung auf der Insel für meine Freundin Ulla, meine Eule Ella und mich.

Wir hatten mal eine Umzugsfirma und habe da alles gemacht, deshalb sind wir sehr flexibel.

Ihre Henni

„Ja, wir lieben das Meer und die Insel Wangerooge, da waren wir schon mal. Wir haben schon die passende Arbeitskleidung, Gummistiefel und Ostfriesennerz und die paar Stufen mehr, die ich bis zu meiner Wohnung hoch stapfen muss, die schaffe ich auch noch.“ Hennis Augen leuchteten. „Wäre das nicht toll?“

„Aber …“ Ulla unterbrach sie und lachte nicht mehr. Sie hatte sogar eine Träne im Auge, die sie schnell wegwischte. „Du wärst dann so weit weg.“ Die Worte setzten sich traurig auf den Küchentisch zu Henni.

„Du kommst einfach mit!“ Ulla verschluckte sich bei Hennis Worten fast an dem heißen Kaffee.

„Wir müssen uns da oben ja sowieso eine neue Wohnung suchen. Du wolltest doch schon immer mal auf eine Insel und dann würdest du da mit uns wohnen und die Luft würde deinen Bronchen voll guttun und wir könnten jeden Tag zusammen Kaffee trinken“ Henni spürte das traurige Lila von Ulla im Bauch und es machte ihr freudiges Orange ein wenig weniger orange.

„Ach Henni, ich bin für sowas doch viel zu alt.“ Ulla seufzte und das Seufzen klang so alt, wie Ulla vermutlich niemals werden würde und es machte Henni ein wenig Angst.

„Wieso nicht?“, fragte Henni.

„Ich würde mich das nicht trauen, da bin ich ganz anders als du.“ Ulla schluckte und stocherte auf ihrem Kuchenteller herum. Das Stück Marmorkuchen wurde ordentlich durchgelöchert.

„Aber, wir sind doch bei dir. Du bist nicht alleine. Wir werfen unseren Mut zusammen und machen das einfach zusammen.“ Henni schaute Ulla an und Ulla sah in ihren Augen dieses Vertrauen in ihre Möglichkeiten, das sie selbst nicht besaß, und es machte sie so unsagbar glücklich und traurig zugleich. „Glückrig“, sagte Henni dann immer.

„Aber du denkst noch darüber nach, oder?“, fragte Henn leise.  

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