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Der beige Bollerwagen Berti

Berti lebte mit seiner Familie in dem riesigen, mehrstöckigen Gebäude in Hagen, in dem es alles gab, was Menschen so brauchten, wenn sie vor die Tür gingen. Da hatten sie einen englischen Begriff für: O U T D O O R.

Warum die Menschen das aber alles brauchten, um vor die Tür zu gehen, das verstand Berti echt nicht und Englisch war jetzt auch nicht so sein Ding. Bertis Ding war an der Rolltreppe stehen und die Menschen, die dort hochkamen zu beobachten. Farben interessierten ihn sehr, vor allen Dingen knallige und auffällige Farben, denn er war eher zurückhaltend beige.
Oder er besuchte Karl, den alten Kompass, der ein unverkäufliches Ausstellungsstück war und sich am besten hier auskannte und immer viel zu erzählen hatte.

„Junge, wir haben vier Räder, einen tollen, abwaschbaren Stoff und einen Handgriff, mehr brauchen wir nicht!“, hatte sein Opa immer gesagt und war in diesem Sommer zu einer Familie gekommen, die ihn für den Urlaub an die Nordsee und ihre Kinder brauchten.

„Mama, BIITE, den da in knallrot. Er hat dieselbe Farbe wie mein Fahrrad!“, hatte Miriam gerufen, war sofort in den Bollerwagen hineingeklettert, hatte sich strahlend hineingesetzt und war nicht mehr herausgekommen. Sein Opa war schon immer der Hingucker gewesen. In Bertis Ohren klang „N O R D S E E“ einfach großartig.

Berti seufzte laut. Er war nicht so auffällig rot wie sein Opa oder knallgelb wie sein Vater, pink wie seine große Schwester und blau wie seine Mutter.

„Du bist der, der wie alle anderen auch auf den richtigen Menschen wartet. Das ist mit allen Farben und Menschen und Bollerwagen so. Die müssen sich finden!“, erklärte ihm Karl jedes Mal, wenn er wieder diesen Blick hatte, bei dem Bertis Handgriff laut auf den Boden polterte.

„Und wer passt dann zu mir, wenn ich beige bin?“, fragte Berti traurig.

„Du wirst es wissen, wenn es so weit ist!“, versicherte ihm Karl, der solche Dinge immer zu wissen schien. Vielleicht, weil er am längsten von allen hier lebte und schon ganz viel gesehen hatte.

Und dann war es eines Tages ja auch soweit. Er wurde gekauft und mitgenommen und ist jetzt jedes Mal randvoll mit tollen (Bilder)Büchern, die er zu Menschen bringt, die das wunderbar finden. Und die Kartons, in denen die Bücher stecken, die haben genau so eine Farbe wie Berti!

Und jedes Mal steht er dann stolz im Raum und macht sich ganz groß und hört zu, wie die Menschen von wunderbaren Welten erzählen und dann ist er selbst da, mittendrin. Berti liebt das und der Mensch, zu dem er jetzt gehört auch.

[…]

 

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