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Henni geht in die Luft

„Wir sind gerade in die Luft gegangen und haben ordentlich Dampf abgelassen!“ Henni war noch immer rot im Gesicht und der Ton und die Lautstärke erzählten von ihrer Wut. Ein kleines Paket stellte sie auf den Tisch.

Ulla zeigte auf den Tisch. „So, jetzt setzt du dich erst einmal, kriegst ein Glas Hermannbrause Cola trifft Koffein und dann erzählst du von Anfang an.“ Ulla wusste, dass Henni die sehr gerne trank.
Henni nahm einen großen Schluck und dann noch einen und noch einen, holte tief Luft und dann rülpste sie laut und vernehmlich.

„Tschuldigung!“, sagte sie verlegen.

„Jetzt ist wieder etwas Dampf raus!“, lachte Ulla und schaute sie abwartend an.

„Ich war in unserem Lieblingscafé. Die hatten doch heute diesen leckeren Schokokuchen mit Waldfrüchten!“ Sie schob das Paket zu Ulla. „Das ist für dich, weil du doch heute nicht mitkonntest.“

Ulla ließ das eingepackte Stück Kuchen erst einmal liegen.

„Und da waren diese Frauen, die waren die ganze Zeit so gemein und arrogant und sagten, wenn sie den Laden hier schmeißen würden, dann würde das eine Goldgrube und wir dachten nur, wenn ihr zu den Gästen so seid, wie zu der Bedienung, wenn sie nicht mehr am Tisch ist, dann wird niemand zu euch kommen. Sie waren wie die alte Platte meiner Oma, die immer an derselben Stelle hängengeblieben ist und immer und immer wieder dasselbe Stück gespielt hat, bis jemand den Tonarm hochgehoben und ein Stück weiter nach vorne gesetzt hat. Die Frau mit viel zu viel Schminke im Gesicht hat immer wieder gesagt, sie habe doch ein kleines Bier bestellt, so oft, dass ich gar nicht mehr mitzählen konnte, wie viele Gläser sie nach ihrem Gemecker bestellt hatte.“ Henni holte Luft und trank einen Schluck. Ihr Atem hatte sich etwas beruhigt.

„Und dann?“, fragte Ulla.

„Wir sind auf die Toilette gegangen, weil wir das nicht mehr hören konnten und wollten! Über alles haben die drei Meckertussis, geschimpft, aber auch über all die Menschen, die in ihren Gesprächen vorkamen. Da war so viel Grün, so viel ekliger Spinat.“ Henni schmeckte Verachtung immer genau so. „Wir hatten keinen Hunger mehr, obwohl unser Stück Kuchen doch so lecker gewesen war.“ Sie schluckte. Die drei hatten sie an ihre Oma erinnert, bei der sie als Kind gelebt hatte und die mit Worten ebenso viel anrichten konnten, wie es ein Schlag ins Gesicht nicht vermochte.

Ulla schwieg.

„Wir sind dann aufgestanden und haben ganz laut gesagt: Neben ihnen können wir nicht essen, da vergeht uns jeder Appetit. Wir haben unseren Teller und die Tasse genommen und haben uns reingesetzt Natürlich haben sie jetzt genauso über uns geschimpft, aber das war uns egal. Drin konnten wir wieder in Ruhe und mit Appetit essen.“ Henni seufzte. „So, jetzt geht es uns wieder besser!“

„Gut gemacht hast du das!“, sagte Ulla und packte das Stück Kuchen aus. „Schau mal, da ist noch ein zweites Stück drin!“ Sie zwinkerte Henni zu. „Wieder Hunger!“

Henni lachte. „Ja, jetzt sind wir auch nicht mehr in der Luft, denn bei dir haben wir wieder Hunger!“

„Ich mache uns Kaffee dazu!“, entgegnete Ulla und Henni entspannte sich noch ein Stück mehr.

 

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