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Draußen vor der Tür

Er sitzt auf den Stufen vor dem Haus. Die leere Flasche Wodka fällt aus seiner Hand und rollt über die Straße, bis vor ihre Füße. Sie stoppt die Flasche mit dem Fuß. Sein Kopf sinkt auf die Brust. Er schnarcht und es ist heute empfindlich kalt. Sehr kalt.

„Hallo?“, ruft Henni und kommt mit ihrer Frage vorsichtig näher. Sie überlegt, ob sie noch näherkommen kann und ob ihm das recht ist. Es ist sehr kalt und sie mag nicht darüber nachdenken, was ihm hier passieren könnte.

Sie stupst ihn an, doch er bewegt sich nicht. Sein Kopf geht leicht nach oben. Speichel läuft aus seinem Mund. Seine Hand geht nach oben und fällt wieder nach unten.

Henni geht unsicher weiter. Ein paar Schritte bis nach Hause, doch er geht ihr nicht aus dem Kopf. Sie geht noch einmal zurück. Sie hofft ganz doll, dass er nicht mehr da sitzt und fragt sich, ob das nur ihr schlechtes Gewissen ist und, wieso sie das überhaupt tut.

Sein Kopf ist wieder nach unten gesunken und er sitzt eingesunken da auf der Stufe vor dem Haus. Alle gehen vorbei. Niemand bleibt stehen. Aus dem Haus ist auch noch niemand gekommen.

„Hallo, wir sind nochmal da!“, sagte Henni vorsichtig und stupst ihn noch einmal an. Er bewegt sich nicht und rührt sich nicht mehr.

„Wir rufen jetzt einen Krankenwagen!“, sagt Henni in seine Richtung, doch er reagiert nicht.

Henni wählt die Notrufnummer. Sie sagt, wo sie ist und wieso sie angerufen hat.

„Vermutlich ist er voll!“, sagt die Stimme am anderen Ende der Leitung und Henni fragt sich, wie oft er solche Anrufe bekommt und ob man/frau dann so einen resignierten Klang in der Stimme bekommt. „Bleiben Sie bitte da. Ich schicke die Kollegen hin!“

Henni nickt, was er nicht sehen kann und beendet den Anruf.

Er bewegt sich immer noch nicht. Sie stupst ihn weiter behutsam. „Hey, nicht einschlafen bitte, es ist zu kalt.“

Sie schaut zum Kiosk und hat eine Idee. Sie geht schnell zum Kiosk und kauft einen Kaffee, der ist zumindest warm.

„Hier, wir haben Ihnen einen Kaffee geholt!“, sagte sie und stellt ihn vorsichtig vor ihn und vor seine Hand. Er versucht ihn zu greifen, doch er kann den Becher nicht halten, erst beim zweiten Mal gelingt es, ohne dass der Becher noch einmal umgekippt ist.

„Ich habe Ihnen einen Krankenwagen gerufen!“
Da kommt Leben in ihn. „Nein, der kostet Geld.“ Er versucht sich aufzurappeln doch er kommt nicht auf die Beine, stolpert zurück. Er hebt seine Hand, doch sie weiß nicht, ob sie ihm aufhelfen kann.

Er versucht es nochmal, will nur noch weg und steht schwankend vor ihr. „Fick dich! Hau ab“, sagt er lallend.

„Du uns auch!“, schimpft Henni zurück. „Wir gehen jetzt nach rechts!“, sagt sie und wendet sich nach rechts.

Er geht natürlich in die entgegengesetzte Richtung und nach links. Den Kaffeebecher hat er fest in der Hand und stolpert zum Kiosk. Sie schaut hinter ihm her und kann es nicht glauben, aber der Typ von der Notfallnummer schon, den sie danach noch einmal anruft.

Henni sitzt an diesem Abend noch lange nachdenklich am Fenster und macht sich Gedanken über das, was sie unter Helfen versteht und wann Helfen für wen auch immer überhaupt Sinn macht.

Und, dass es manchmal echt schwer ist an gute Dinge zu glauben, wenn du dich beständig darauf verlassen kannst, dass all die anderen Dinge passieren werden. Aber sie wäre nicht Henni, wenn sie ihren Fokus nicht immer wieder neu ausrichten könnte!

 

 

 

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