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Henni, ganz ENERWE und die verkühlte Flip-Flop-Frau

Henni stand völlig außer Atem vor Ullas Wohnungstür. Als Ulla öffnete, rieb Henni sich noch immer ihre tränenden Augen.

„Hallo Henni! Wieder die Hirnbohrerin?“, fragte Ulla mitfühlend. Sie war heute Morgen schon im Testzentrum gewesen und hatte darauf geachtet, dass sie zu dem jungen Mann und nicht zu der dunkelhaarigen Frau kam, denn die brachte sie auch jedes Mal zum Weinen. Daher auch der eher unschöne Name, Hirnbohrerin. Der junge Mann, der dort arbeitete, war anders, der konnte das besser.
Henni schniefte. „Die will wohl einmal in die Nase, durch mein Ohr und dann wieder aus meinem Kopf herausfinden, so weit bohrt sie mir das Stäbchen in die Nase! Aber negativ, wir können endlich einen Nicht-to-go-Kaffee in einem echten Café trinken.“

Die beiden machten sich auf den Weg. Vor dem Café stand eine Frau im Kleid und Flip-Flops, die in sehr weißen Beinen steckten.

Henni wurde schon beim Anblick kalt, hatte sie sich doch noch für ihre warmen Socken in den Gummistiefeln und eine warme Jacke entschieden, denn sie durften zwar Kaffee trinken, aber nur draußen.

Doch die Frau vor ihnen, die zwar Flip-Flops, aber keine Maske trug, sah das alles etwas anders.

„In ganz ENERWE braucht man keinen Test und auch keine Masken mehr und kann in jedes Café.“

„Nein!“, erklärte der noch geduldige Mitarbeiter am Empfang der Außengastronomie, „Wenn Sie nicht doppelt geimpft sind, brauchen Sie einen Test und bis zum Platz eine Maske.“

Das konnte die Frau nicht glauben, weder beim zweiten noch beim dritten Mal.

„Wird Ihnen nicht kalt, wenn Sie ohne Socken immer wieder dasselbe fragen?“, fragte Henni irgendwann höflich, weil ihr die Füße der Flip-Flop-Frau ohne Socken leid taten.

„Was erlauben Sie sich?“, fauchte sie Henni an und da wusste Henni, dass sie schon viel länger kalte Füße und auch kalte Beine haben musste, wenn sie jetzt schon so schimpfte.

„Na ja, vielleicht ziehen Sie sich lieber mal warm an und dann machen Sie den Test, der tut gar nicht weh und dann kommen Sie wieder!“ Henni strahlte sie an und die Frau war so verdutzt, dass sie nichts mehr sagte, sich wortlos rumdrehte und ging.

Ein paar Minuten später saßen Henni und Ulla an einem schönen Tisch, wind- und durchsichtig Trennwandgeschützt am Rand der gut aufgestellten Tischreihen und bestellten beide einen großen Milchkaffee. Die Bedienung war supernett und freute sich, dass beiden Frauen der Kaffee so sehr schmeckte.

„Heute ist Weihnachten, Geburtstag und *Alles-richtig-gemacht-Tag* zusammen!“, freute sich Henni und leckte den Milchschaum mit ihrer Zunge von den Lippen.

Sie bestellten auch noch was Leckeres zu essen, weil sie das beide seit einer unendlichen Ewigkeit so lange nicht mehr in einem echten Restaurant getan hatten. Nicht, dass sie sich das oft leisten konnte, aber heute wollten sie das einmal tun. Es gab Currywurst mit Pommes Mayo.

Henni bekam sogar ein Extra-Fähnchen geschenkt, weil sie ihres auf dem Teller vergessen und der Kellner mitgenommen hatte.

„Das kommt gleich zu meiner Birke, dann wächst die noch schneller!“

Ulla grinste und ließ es sich schmecken.

„Gut, dass wir heute warme Schuhe angezogen haben, sonst wären wir vielleicht auch noch so verfroren unfreundlich wie die Flip-Flop-Dame vorhin!“. Henni lehnte sich entspannt zurück.

Ulla tat es ihr nach. Sie schwiegen eine ganze Weile und ließen die vielen Geräusche der Stadt, die Gerüche der servierten Essenteller und die Gespräche der Menschen wie bei einem guten Kinofilm einfach so da sein und sie beide mittendrin.

4 Kommentare

  1. Ach, die Henni! Ich glaube, ich gehe auch mal mit ihr einen 🥛☕ Milchkaffee trinken 🤭‼ Jetzt ist es ja wieder möglich … 🍽🌯🍟 Hört sich nach ein paar schönen Stunden an.

    • Sabine sagt

      Liebe Sonja,
      ja, die Stunden waren einfach Milchkaffee schön,aber du warst ja dabei …
      Liebe Grüße,
      Henni.

    • Sabine sagt

      Liebe Ursula,
      ja, ein Stück Normalität tut einfach gut …
      Immer kleine Schritte, die sich gut anfühlen,
      liebe Grüße,
      Sabine

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