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Als ich den linken Fuß auf den Vollmond setzte …

Bild: Quint Buchholz

(Schreiben nach einem vorgegebenen Halbsatz …)

gab er nach. Nicht viel, aber er veränderte doch ein ganz klein wenig seine Position und ich traute ihm nicht. Also, ihm schon, aber nicht der Schwerkraft, die ihn nach mir unbekannten physikalischen Gesetzen da hielt, aber mich dann bestimmt mit oder ohne ihn in die Tiefe stürzen ließ. Ich zog meinen Fuß zurück.

Ich lockerte die Muskeln meines Beins, das sich zu verspannen begann und versuchte es ein zweites Mal. Wieder gab der Vollmond nach. Etwas weniger, aber immer noch spürbar. Das wiederholte sich jetzt unzählige Male. Ich lockerte die Muskeln meines Beins. Fuß auf den Vollmond setzen, Gewicht verlagern und antesten. Gab er nach, dann zurück auf das Dach. Vorwärts, zurück. Vorwärts zurück und so weiter und so weiter.

Nach einer Stunde bereute ich es, dass ich nicht doch das Trapezseil genommen hatte, dass mir alle dringend empfohlen hatten. Aber hey, seit wann hörte ich schon auf das, was die anderen sagten, die unten auf der Straße vor dem Haus standen und gafften.

Ich setzte mich kurz auf das Dach, ruhte aus, trank einen Schluck Wasser und schaute über die Dächer der Stadt, die unter mir lag. Auch der Vollmond entspannte sich und tänzelte ein wenig auf und ab, einfach so. weil es ihm Spaß machte und gerade keiner mehr zuschaute.

„Du darfst nicht mehr so viel denken! Das macht dich zu schwer für mich!“, sagte er in die Stille hinein. Ich nickte stumm. Das wusste ich, deshalb auch das Trapezseil für den Plan B, denn dem waren zu viele Gedanken völlig egal.

„Du musst an den Ort, an dem du nicht mehr denkst!“, hakte der Vollmond nach und brachte sich erneut vor dem Hausdach in Position.

Ich nickte, stand auf, dachte an ihn und stand am Ende des Gedankens mit beiden Füßen auf dem Vollmond. Sicher stand ich da auf seiner runden und schimmernden Oberfläche.

 

 

5 Kommentare

    • Sabine sagt

      Liebe Ursuöa, das bist du doch und das sind wir doch alle! 😉
      Liebe Grüße,
      Sabine.

  1. Liebe Sabine
    Was für eine schöne, in Sabinscher Manier kurzundknappe Parabel! Der Mond und die Melancholie, aber trotzdem ‚Leichtfüßigkeit‘ scheinen durch Deine Zeilen. Ich schmunzle sehr über das Bild, wie sich der Mond kurz entpannt, wenn gerade niemand schaut. Vielleicht erwischen wir ihn das nächste Mal?
    Danke für Deine Poesie!
    Herzlich, Urs

    • Sabine sagt

      Lieber Urs,
      das freut mich, dass dir das Bild so gut gefällt. Über den Mond könnte ich immer und dauernd schreiben!
      Liebe Grüße,
      Sabine

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