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Henni und die Hitze

Hier findet ihr die MP3-Datei zum nachfolgenden Text, der euch auf seine Weise garantiert wunderbar abkühlt …

Henni wischt sich die Schweißperlen von der Stirn. Sie schaut auf das Thermometer neben dem Fenster. 32 Grad Celsius. Sie stöhnt, hält das kleine Handtuch unter den laufenden Wasserhahn in der Küche, wringt es solange aus, bis es nicht mehr tropft und legt es sich um den Nacken.

„Ja, viel besser!“, seufzt sie und setzt sich auf das gelbgestreifte Handtuch, das sie auf die abgewetzte Couch gelegt hat.
In diesem August hat die Hitze die Stadt fest im Griff. Henni liebt die Sonne, isst gerne mit Ulla ein Eis auf dem Balkon oder auch mal in der Eisdiele, und dann am liebsten ein Spaghetti-Eis  ohne Sahne. Aber, wenn die Temperaturen auf über Dreißig klettern, dann kann sie die Hitze nicht mehr so gut ertragen. Jede Bewegung sorgt für neue Schweißausbrüche und vor allen Dingen ihr Rücken macht ihr zu schaffen.

„Wir brauchen die gelbe Spülschüssel!“, sagt Henni und steht stöhnend auf.

Sie kramt die Schüssel unter dem Spülbecken hervor und füllt sie zur Hälfte mit kaltem Wasser. „So und nach eine Reihe Eiswürfel dazu!“

Sie stellt beides vor das Sofa, setzt sich und stellt beide Füße mitten hinein.

Mit einem zufriedenen Seufzer lehnt sie sich zurück und schließt die Augen für diesen Moment.

Die Kälte des Wassers hält für einen langen Moment, was es verspricht, aber es ist auch ganz schnell wieder lauwarm.

Hennis Blick fällt auf ihre alten Gummistiefel unter der Garderobe im Flur, die ihr immer eine Nummer zu groß gewesen sind.

„Wir haben eine Idee!“, lacht Henni, trocknet sich die Füße ab und steht auf.

Sie geht zum Kühlschrank, nimmt zwei kleine Coolpacks und die nächste Packung Eiswürfel in Herzform aus dem Schrank. Die Eiswürfelform hat ihr Ulla dieses Jahr geschenkt. Sie packt erst die Coolpacks in die Gummistiefel, steigt dann in sie hinein und hüpft dann nach Luft japsend ein wenig hin und her. Dann nimmt sie die Eiswürfel aus dem Spülbecken und lässt sie in beide Gummistiefel plumpsen. Henni zieht scharf die Luft ein, weil die Kälte schon ordentlich ist.

„Ui, ui, ui, kalt, kalt, kalt, Ulla, Ulla, Ulla!“ ruft Henni, nimmt ihren Schlüssel, ihren alten Strohhut und macht sich mit ihren Eisstiefeln langsam auf den Weg auf die gegenüberliegende Straßenseite.

„Ulla, Ulla!“, ruft Henni laut von der Straße und hüpft lachend über die Straße, die Eiswürfel schlagen aufeinander. „Ulla, wir haben deine eisgekühlten Herzen an den Füßen, das musst du unbedingt ausprobieren!“

Ulla öffnet die Tür. „Was machst du denn bei dieser Hitze nur wieder für einen Lärm?“

„Ach Ulla, wir haben doch Eis-Füße aus Herzen!“, ruft Henni und hüpft von einem Fuß auf den anderen. „Möchtest du auch mal?“, fragt Henni.

Ulla verzieht das Gesicht. „Ach Henni, sei mir nicht böse, aber mir ist echt zu warm für deine Spielereien!“

Henni bleibt abrupt stehen und schaut völlig verdutzt und überrascht in Ullas ernstes Gesicht. Ihr breites Lächeln verschwindet in Ullas Worten.

Henni dreht sich herum und geht. „Ach Uwe, du hättest bestimmt mitgehüpft! Ulla muss erst noch so alt werden wie sie spricht.“

In dem Moment kommt Kyra die Straße entlang und winkt Henni zu.

„Hallo Henni!“, ruft sie schon von weitem. „Ist dir nicht viel zu warm in den Gummistiefeln?“

„Hallo Kyra!“, antwortet Henni und ihr Lachen schleicht sich wieder in ihr Gesicht zurück, weil sie Kyra sehr mag und auch Kyra mag Henni, „Wir haben heute Eis-Füße aus Herzen.“

„Echt?“, fragt Kyra. „Kann ich die auch haben?“

„Na klar, du brauchst Gummistiefel, zwei Coolpacks und Eiswürfel, dann kann ich dir zeigen, wie das geht!“

Kyra rennt nach Hause und kommt nur wenige Minuten später mit allem zurück.

„Zuerst die Coolpacks, dann deine Füße und dann die Eiswürfel!“, erklärt Henni Kyra. Die hört aufmerksam zu.

„Ja, wie ein Fuß-Hamburger! Toll und so schön kühl“, freut sich Kyra und hüpft ratzfatz wie Henni von einem Bein auf das andere. „Das muss ich Mama zeigen! Tschüs Henni!“

Henni winkt ihr zum Abschied und geht langsam wieder in ihre Wohnung zurück. Das Coolpack ist längst warm geworden und die Eiswürfel längst geschmolzen.

„Wir müssen das öfter machen und dann macht es Ulla vielleicht auch bald Spaß!“ Henni zieht ihre Gummistiefel aus und stellt sie wieder unter die Garderobe, bevor sie zum x-ten Mal und vermutlich nicht das letzte Mal an diesem Tag unter die Dusche geht. Ihre Quietscheentchen ist immer mit dabei.

 

 

 

4 Kommentare

  1. Liebe Henni,

    Fußherzenkälte – wie sich das wohl anfühlen mag? Ich kann es mir vorstellen und denke, dass auch die weißen Punkte auf den roten Stiefeln ein bisschen mitzittern mögen. Und wenn es ganz still ist, kann ich vielleicht sogar den Gesang der Punkte hören, der aus dem Zittern entsteht.
    Wie Ulla wohl mit der Hitze umgeht, habe ich mich gefragt? Bestimmt sitzt sie in einem abgedunkelten Raum und guckt eine Serie nach der anderen, vielleicht guckt sie auch einen dieser Shopping-Kanäle, die Eisherzenabkühlung versprechen. Ob sie dann wohl Henni versteht?

    • Sabine sagt

      Liebe Hedda,
      ja, wir mögen das Wort Fußherzenkälte sehr und auch Ulla, die schaut aber wirklich viele Serien, da hast du wohl Recht und auch bei der Hitze, da schaut sie schon tagsüber im Dunkeln,
      liebe Grüße,
      Henni

  2. Annemarie Winckler sagt

    Liebe Sabine,
    das ist so nett Deine Stimme zu hören, wenn Du von Henni erzählst. Und bei der Geschichte wird einem wunderbar kühl ums Herz. Nicht dass ich es heute unbedingt brauchen würde, es sind nur 25 Grad draußen. Aber am Freitag sind 35 Grad angesagt und da werde ich mir die Geschichte noch ein paar Mal von Dir vorlesen lassen.
    Liebe Grüße
    Anne

    • Sabine sagt

      Liebe Anne,
      das freut mich und ich bin gespannt, wie diese Geschichte dann bei 35 Grad wirkt und freue mich jetzt schon über deine Rückmeldung,
      liebe Grüße,
      Sabine

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