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Zoom ist eine blöde Zicke

Bild: Tanja Graumann

Hier findet ihr die MP3-Datei zu dem neuen Text von Henni.

„Wieso lässt du uns denn nicht rein?“, fragt Henni an der Haustür und geht hinter Ulla ins Wohnzimmer.

„Komm doch ruhig rein!“, sagt Ulla, lässt Henni stehen und geht schnell zurück ins Wohnzimmer. Dort steht ein nagelneuer PC neben dem aufgerollten Häkeldeckchen. An das darf nichts kommen, weil Ulla solange daran gehäkelt hat und der PC ist ein Geschenk von ihrem Sohn und den kann Ulla nicht bedienen.

Auf dem Bildschirm starrt sie ein großes Bild von Peter an. Dick ist er geworden und sein Gesicht ist ganz hässlich rot wie eine fette Krabbe, die zu heiß gekocht wurde.

„Hallo Peter, verstecken wir uns jetzt in diesem Technik-Dingsda, damit wir unsere Mutter noch weniger besuchen müssen?“, ruft Henni dem Krabbengesicht entgegen

„Das ist moderne Kommunikationstechnik und von der hast du keine Ahnung. So kann ich immer, wenn meine Mutter das will, einen Klick später bei ihr sein!“, antwortet Peter auf seine gewohnt arrogante Klugscheißerart.

„Ach, wie bequem für dich. So musst du noch weniger hier sein?“

„Henni, bitte!“ Ulla nimmt ihren Arm und drückt ihn fest.

„Ja, ja, wir sind ja schon ruhig. Geht er jetzt auf die Sonnenbank?“, lästert Henni und Ulla kichert leise, bevor sie sich auf ihren Sessel und vor den Rechner setzt. Henni setzt sich auf das Sofa daneben und nimmt eine der Groschenhefte vom Tisch. „Dr. Norden“. „Den kennen wir noch gar nicht!“ Henni blättert gelangweilt durch die Seiten.

„Ich höre dich nicht mehr! Peter?“, ruft Ulla in den Bildschirm, auf dem Peter stumm spricht und ganz hektisch nach unten zeigt.

„Hast du ihn zum Schweigen gebracht? Ulla, du bist ein Technikgenie. Wie hast du das gemacht?“

„Ich habe nichts gemacht. Nur da auf den Knopf gedrückt und nochmal gedrückt.“ Ulla zeigt auf die Tastatur und drückt noch einmal denselben Knopf. Peter fuchtelt immer wilder auf dem Bildschirm und deutet wieder nach unten.

„Ach Henni!“, seufzt Ulla, „Ich weiß doch nicht, was ich da tue. Aber, so sehe ich ihn wenigstens!“

„Na ja, wir sehen ihn auch nur wild fuchteln! Das ist aber auch schon alles!“ Henni winkt Peter, doch sein Gesicht verzieht sich nur zu einer wütenden Grimasse und er sieht aus nur noch mehr wie eine fettig glänzende Krabbe. „Oje, jetzt wird er blass, wie Nebel!“, sagt Henni.

„Henni, ich glaube, der Rechner ist abgestürzt und hat Peter mitgenommen!“ Ulla schaut verzweifelt auf den Rechner. „Das liegt an SUMM!“

„Wer ist SUMM?“

„Na, das ist doch das Programm auf dem PC.“

„Na, dann ist SUMM eine echt blöde Zicke und Peter sollte lieber vorbeikommen oder telefonieren!“, erklärt Henni. „Lass uns ein Eis essen gehen!“

 

 

 

 

5 Kommentare

  1. Sabine sagt

    Liebe Ursula,
    das freut mich. Ich glaube Summ bekommt gerade viele Geschichten …
    Liebe Grüße,
    Sabine

  2. Dorit sagt

    Hallo Sabine,
    Danke für die unterhaltsame und amüsante Geschichte. Ich finde allerdings, dass Peter zu schlecht wegkommt, immerhin bemüht er sich um Kontakt. Aber du hast ihn ja auch durch die kritischen Augen der personalen Erzählerin gezeigt. Dass ich mir Gedanken über die Figuren und deren Beziehungen untereinander mache, zeigt, dass dein Erzählen dieser Geschichte „funktioniert“ bzw auf mich gewirkt hat. 🙂
    Viele Grüße
    Dorit

  3. Sabine sagt

    Liebe Dorit,
    ich glaube, Peter muss in Hennis Augen so sein, weil sie ihn als Ullas Freundin sehr kritisch betrachtet. Genau deshalb kommt er nicht so gut weg. Außerdem sagt Henni die Dinge, die andere vielleicht nur denken …
    Danke für deine Rückmeldung,
    liebe Grüße,
    Sabine

  4. Liebe Sabine,
    „Ich glaube der Rechner ist abgestürzt und hat Peter mitgenommen.“
    Herrlich! 🙂

    Danke für deinen amüsanten und lebensnahen Text (schön von dir vorgelesen).

    Herzliche Grüße aus Berlin (zum Glück zickt Zoom nicht dazwischen)
    Ulrike

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