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Blogparade: eindeutig-uneindeutig

Und schon wieder eine Blogparade: eindeutig – uneindeutig.  Dieses Mal kommt sie von meinem lieben Studienkollegen Urs, der den Ausfall des Segeberger Kreises mit dieser tollen Idee kompensiert.

Lest hier selbst, wie Urs die Aufgabe stellt und beschrieben hat:

„Leider musste die Jahrestagung des Segeberger Kreis – Gesellschaft für Kreatives Schreiben zum Thema „Haltungen schreibend erfahren“ abgesagt werden.
Ich durfte für die Tagung einen Schreibgruppenvorschlag vorbereiten und nahm mir das Thema „eindeutig-uneindeutig: Ambivalenz schreiben“ vor. (Siehe Segeberger Briefe No.100)
Aus aktuellem Anlass empfinden wir wohl alle gerade höchst ambivalente Gefühle und unsere Haltung ist wahrscheinlich ziemlich eindeutig-uneindeutig. […]
Die Parade endet am 31.3.
Bis dann seid herzlich eingeladen, auf Euren Blogs, Webseiten oder auf anderen digitalen Plattformen, eigene Texte zu veröffentlichen. Bitte verlinkt meinen Blogbeitrag und postet den Link zu Eurem Text unten in den Kommentaren. Falls ihr online selbst nicht veröffentlichen könnt, dürft ihr Eure Texte auch als Kommentar eingeben oder ihr schickt mir eine Mail: urskuenzi@sunrise.ch

Bitte erkundet die Ambivalenz fiktional. Ihr könnt Euch von ambivalenten Figuren inspirieren lassen und/oder welche entwickeln. Ihr könnt Euch Stilmittel wie Oxymoron (z.B. Hassliebe) oder Paradoxon (z.B. weniger ist mehr) vornehmen, ein Manifest der Ambivalenz schreiben, Euch zwiespältigen Objekten wie Flugzeug, Plastik, Drogen etc. widmen usw. usw.
Eurer Widersprüchlichkeit seien keine Grenzen gesetzt! (Außer natürlich…)
Tipp: Stellt Euch vor, wir wären in einer Schreibgruppe und hätten uns ein zeitliches Limit gesetzt. Schreibt also nicht stundenlang sondern „quick and dirty“ drauflos und lasst Euch überraschen, was Euer (ambivalentes?) Bewusstsein zu Tage fördert.“

Ich habe heute einfach mal Henni bei ihrem Einkauf begleitet und das ist dabei herausgekommen.

Henni und der Platz für Corona

„Wir brauchen Brot und Leberwurst und, weil wir noch Geld übrighaben, gibt es noch Orangen, die sind im Angebot und eine Nussschokolade fürs Wochenende!“ Henni steht vor dem Regal und würde gerne noch eine Marzipanschokolade mitnehmen.
„Marzipan oder Haselnuss?“ Henni schaut hin und her und kann sich nicht entscheiden.
„Gibt es ein Problem?“, fragt eine Mitarbeiterin.
„Ja, wir haben ein großes *Marzipan-oder-Nussschokoloade-Problem*!“, antwortet Henni und dreht sich herum.
„Ich würde ja Haselnuss wählen, wenn ich wählen müsste!“, seufzt die Mitarbeiterin und streckt sich. Ihr Gesicht verzieht sich ein wenig. Henni sieht unzählige Kartons mit schweren Konserven.
„Möchten Sie ein Stück, das ist meine Lieblingsnervennahrung?“ Henni greift zur Schokolade und will sie öffnen.
„Nein, nein, die ist für Sie. Ich esse ein Stück, wenn ich heute Abend zuhause bin.“ Sie lächelt etwas gequält und nimmt die nächsten Konserven Ravioli aus dem Karton und stellt sie ordentlich in das Regal.
„Ravioli mag ich ja nicht!“ Henni geht mit ihrer Schokolade und den anderen Einkäufen zur Kasse und stellt sich mit Abstand hinter die letzte Frau der Schlange.
„Stehen Sie da an?“, fragte eine Stimme hinter ihr, die Henni viel zu nah kommt.
„Ja, das tue ich und Sie kommen uns zu nah. Bitte gehen Sie weg!“, fordert Henni.
Die Frau schaut missbilligend auf Henni und zieht einen Mann, vermutlich ihren, hinter sich her an die nächste Kasse. Eine Frau kommt mit zwei Packungen Klopapier und einer Packung Haushaltspapier in die Schlange und stellt sich hinter sie.
„Sie müssen Platz für Corona machen!“, sagt Henni laut.
Der junge Mann mit Basecap und in Jogginghose vor ihr dreht sich herum, lacht, geht aber auf Abstand. Die Frau hinter ihr immer noch nicht.
„Bitte machen Sie mal Platz für Corona!“ ruft Henni noch einmal und fuchtelt mit ihrer Nussschokolade, um ihren Worten mehr Beachtung zu geben.
Erst jetzt geht die Frau zurück und Henni nach vorne.
„Wir müssen woanders einkaufen gehen!“, sagt Henni, legt ihr abgezähltes Geld neben die Kasse, packt die Einkäufe in ihren abgewetzten Rucksack und verlässt den Edeka.
„Der erste Riegel ist immer der Beste für uns und muss sofort gegessen werden!“ Henni beißt strahlend in den Riegel Nussschokolade.

 

 

 

10 Kommentare

  1. Liebe Henni,
    ich hätte auch die Nusstafel genommen, aber ohne Ambivalenz! Ja, ja, der Supermarkt ist momentan der Ort, vor dem es mich am meisten graut. Zu meinen üblichen Panikattacken beim Schlangestehen gesellen sich nun noch Szenen wie von dir erlebten. Zu Nahe Kommen und Unverstaändnis auf vielen Seiten, morgen muss ich wieder in die Schlacht und für die nächsten drei Mittagessen für 7 Leute einkaufen … Auweia. Aber sag mal Henni, wo ist denn dieser Supermarkt, in dem es Klopapier gibt? Ich hab bald Notstand.
    Ich grüße dich herzlich mit dem letzten Blatt, 3-lagig, Amy
    P.S.: Kann ich deinen Blog eigentlich irgendwie abonnieren?

    • Sabine sagt

      Liebe Amy,
      also, das ist unser EDEKA … 🙂
      Und zu deinem P.s.: Kannst du meinen Blog durch den WordPress-Reader nicht abonnieren? Oder, hast du eine Idee oder einen Tipp für mich, was ich auf meiner Seite noch zusätzlich machen kann?
      Ganz liebe Grüße,
      Sabine und Henni.

      • Ja, ich hab es schon vor deinem Tipp mit dem WP-Reader versucht und er zeigt jetzt tatsächlich deine Beiträge! Aber als WP-Admin kannst du auch so etwas wie „Folgen“ oder „Abonnieren“ anbieten, das habe ich nicht gefunden…
        Gute Nacht, träum süß, Amy

        • Sabine sagt

          Das dachte ich mir, vielleicht kannst du mir dabei die kommende Woche ja mal ganz praktisch helfen, wenn du Zeit und Lust dazu hast. Das wäre super,
          liebe Grüße,
          Sabine.

  2. Liebe Sabine,
    ich bin sehr gerührt von der tapferen Henni, die mit ihrer eigentümlichen Weise die Welt betrachtet (im Dialog mit sich selbst) und erstaunliche Sichtweisen hervor kramt. Ach so: Der extra Platz zwischen den Leuten ist für Herr/Frau Corona reserviert. Das macht Sinn.

    Ich beiße nun in meine eigene (nussfreie) Schokolade und wünsche Henni gute Nerven bei ihrem nächsten Einkaufsabenteuer.

    Herzliche Grüße
    Ulrike

    • Sabine sagt

      Liebe Ulrike,
      ja, ich finde auch, dass Henni echt verdamnt tapfer ist und auf ihre Art unkonventionell, ganz Henni-like, mit den Dingen, den Menschen und dem Leben umgeht,
      herzliche Grüße,
      Sabine

  3. Annemarie Winckler sagt

    Liebe Henni,
    das mit dem Abstandhalten pendelt sich so langsam ein, jedenflls bei uns im Supermarkt. Es sind rote Punkte auf dem Boden aufgeklebt, an denen die Leute an der Kasse mit Abstand zum nächsten Kunden warten sollen. Diese Punkte würden wunderbar zu Deinen Gummistiefeln passen. Schokolade hat es hier noch reichlich, Klopapier schon lange nicht mehr. Eine Freundin war letztens in einem Einkausmarkt und hat da einen Mann mit 10 Packungen Klopapier in den Händen angetroffen. Als sie ihn dann fertig angepampt hatte wegen der üblen Hamsterei, hat er sie nur cool angeschaut und gefragt, ob er die jetzt ins Regal räumen dürfe, er sie hier nämlich ein Angestellter im Laden.
    Bleib weiter tapfer liebe Henni,
    Herzliche grüße
    Anne

  4. Liebe Henni, du weißgepunktetes Rotgummistiefelgeschöpf,

    mit dir macht das Einkaufen so viel mehr Spaß und ich fand es klasse, wie du mir beherzt auf den Rücken geschlagen hast, als eine doofe Haselnuss stecken blieb. Schokolade versus Klopapier, ich überlege einen Tauschstand am Eingang des Supermarktes zu installieren – natürlich weiträumig abgegrenzt, damit keiner dieser kleinen Viren auf die Idee kommt, mir die Schokolade wegzuessen. Das wäre mein persönlicher Super GAU, den außer dir wahrscheinlich niemand verstehen kann.

    Bleib vergnügt und sonnenfroh, liebe Grüße

    Hedda

    PS: Ich habe immer noch nicht vestanden, wie ich deinen Blob abonnieren kann

    • Sabine sagt

      Liebe Hedda,

      ich sehe dich schon vor dem Laden stehen, essentielle Schokoladen-Tauschgeschäfte zu arrangieren … Ich sage nur Klopapier kann frau/man nicht essen, Schokolade schon … 🙂
      Die Sache mit dem Abonniereen, das geht mit dem WordPress-Reader und an einer anderen technischen Lösung arbeite gerade Anne und Helen,
      wennn sie da etwas finden, was helfen kann, wirst du es erfahren,
      bis dahin herzliche Grüße,
      Sabine

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