Allgemein, Henni
Kommentare 6

Henni und Valentin

„Haben Sie Valentin gesehen?“, fragte Henni in den kleinen Blumenladen hinein. Die Tür stand kurz vor Ladenschluss am Freitag noch ein kleines Stück auf. Die Blumen waren schon fast vollständig weg- und vermutlich ins Kühlhaus geräumt.

„Wen meinen Sie?“, fragte eine Stimme von hinten. Eine junge Frau mit hellblonden Haaren und einer neonblauen Strähne wischte sich die Finger an ihrer grünen Schürze ab und kam nach vorne in den Laden. „Wir schließen gleich!“, sagte sie noch.
„Aber sie haben doch einen ganzen Tag nach ihm benannt!“, sagte Henni und zeigte auf das große Plakat an der Eingangstür.

Die junge Frau lachte. „Ach so, ja, der Typ hat heute für einen verdammt guten Umsatz gesorgt.“

„Und, bekommen Sie auch Blumen?“, fragte Henni.

„Ach wissen Sie, wenn ich den ganzen Tag mit Blumen arbeiten muss, dann sind Blumen nicht so sehr das Geschenk, das ich mir wünsche.“

„Das verstehe ich!“, sagte Henni. „Haben Sie vielleicht noch eine Rose über, die niemand abgeholt hat?“

Die junge Frau schaute Henni einen Moment nachdenklich an, dann ging ein Leuchten über ihr Gesicht. „Ja, warten Sie bitte einen Moment!“ Sie ging nach hinten und kam mit zwei roten Rosen zurück, die etwas traurig aussahen.

„Hier, der Kunde wollte die beiden nicht; ich schenke sie Ihnen, denn bei Ihnen sind sie bestimmt in guten Händen!“ Sie hielt Henni die beiden Rosen hin.

„Die sind sehr *traurig-rot-schön*.“ Henni schaute sie lange an. „Ja, ich nehme sie gerne.“ Henni streckte ihre Hände aus und die junge Frau legte beide Rosen hinein.

„Danke!“, sagte Henni und balancierte ihren wertvollen neuen Besitz behutsam aus dem Laden und die dunkle Straße hinunter. Die junge Frau sah ihr noch lange nach und schien die Zeit vergessen zu haben.

 

6 Kommentare

  1. Dorit sagt

    Hallo Sabine,
    du schreibst eine schöne Geschichte, die auch nachdenklich macht. Den Blumenladen und die Personen hatte ich beim Lesen lebendig vor Augen.
    Ich freue mich auf weitere Geschichten!
    LG Dorit

  2. Annemarie Winckler sagt

    Liebe Sabine,
    wie schön, dass Du diesen Hype um den Valentinstag so ganz anders nutzt. Meine Phantasie geht mit Henni mit. Geht sie nun nach Hause, schneidet die Rosen an und stellt sie ins Wasser – zu ihrer eigenen Freude. Verschenkt sie sie weiter und wenn ja wem? Gibt es eine Fortsetzung?
    Liebe Grüße
    Anne

    • Sabine sagt

      Liebe Anne,
      ja, ich merke, dass ich wie bei meiner Figur der Mia mit den einzelnen geschriebenen Szenen die Figur der Henni zu entwickeln beginne und so nach und nach ihre ganz eigene Geschichte entwickle. Dein Kommentar hat mich heute daraufgebracht,
      danke und liebe Grüße,
      Sabine

  3. Ulrike sagt

    Liebe Sabine,
    mir kommen die traurig-roten-Rosen wie ein magischer Fingerzeig vor: Schönheit muss nicht perfekt sein. Bei Henni sind sie wirklich in guten Händen.

    Danke für diese schöne leise Szene.

    Herzliche Grüße
    Ulrike

Schreibe einen Kommentar zu Annemarie Winckler Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.